IM RÜCKBLICK AUF MEINE JUGEND MUSS ICH SAGEN

 

Das Deutschland, in dem ich aufgewachsen bin, war aus meiner Sicht eine positive Zeit. Sie war ganz sicher eine schwierige Zeit dem Volke gegenüber wie auch der neuen Regierung, die sich nunmehr auch dem jungen Volk nach Kräften hervorragend benommen haben müsste.

Zunächst änderte sich die brotlose Zeit der Arbeitslosen, die eiligst in Lohn und Brot kamen. Man kam nämlich wieder „auf die Beine“, sorgte für die Kinder und Jugendlichen, die wieder der Schule zugetan wurden und waren, denn den Eltern wurden nunmehr alle Möglichkeiten ermöglicht, damit der Jugend und den Älteren und Betagten nichts Elendes zuteil kommen könnte.

Es gab neuerdings Dinge des Lebens, die man vorher nicht erwirtschaften konnte. Dazu gehörte natürlich auch, dass die Jugendlichen die Älteren nach Kräften unterstützen konnten und sollten, was auch seinerzeit absolut mit Eifer geschah. Es gab die Möglichkeiten, Bekleidungsbedarf und andere notwendigen Dinge des täglichen Lebens unentgeltlich zu bekommen, denn „Niemand sollte mehr hungern und frieren“, und somit wurde der Bedarf von Kohle und Briketts auch emsig geliefert. Das alles war – so sehe ich es – die große Bedeutung der unentgeltlichen WINTERHILFE. Entschlossen waren nun aber die „Eingleichungen“ der bisher definierten Verschiedenheiten der Bevölkerung. Das führte natürlich zu gelegenen Überwachungen, denn das Volk sollte ein einiges Volk sein in der Gleichheit der Menschen und ihrer Ansprüche. Um solche Politik zu fördern wurden (sollten) entsprechende Situationen seitens der Regierung verändert, die sich auch tatsächlich um viele Änderungen kümmerte, die dem Volke zu Gute kommen sollten.

Weiterhin gab es die absoluten GLEICHHEITSPREISE aller Dinge. Lebensmittel oder sonstige Bedarfswaren, was immer es (noch) gab, nichts entging der PREISÜBERWACHUNG, die besonders dem Wucher aller käuflichen Dinge den Garaus machte.

Es gab die unentgeltlichen WIEGESTUNDEN der Säuglinge, dieIMPFSTUNDEN der Kleinen und die der Schüler auf den Schulhöfen, die fußläufigen Polizeikontrollen als SCHUTZMÄNNER, die sich um die spielenden Kinder und sonstigen Kalamitäten der Kleinen kümmerten, wenn diese sich verlaufen hatten, oder und so weiter, das mag alles banal klingen, aber man beachtete – wer auch immer – die Situationen der Betagten, denen man über die Straße begleitete oder gegen andere Kalamitäten schüzten. Es war einfach eine freundliche Bürger- und Nachbarschaft.

KRAFT DURCH FREUDE“ als Entspannung und Erholung der schaffenden Bevölkerung, so beispielsweise die der Eltern, die nichts zu bezahlen hatten.

Das wichtigste in der Zeit von Allem aber waren für mich DIE SCHULEN. Abgesehen von gutbetuchten Kindern hatte jedes Kind alle Möglichkeiten, jede Schulmöglichkeit im Bereich der Klassenpflicht zu besuchen wie sie wollten und wie es für sie die richtigste war. Wir wurden in allen Teilen nach Wunsch eingeschult, ohne entsprechende Inanspruchnahmen bezahlen zu müssen. Alle Bücher, Hefte und sonstiges Lernmaterial waren frei, die Sportbekleidungen und die sonstigen Angelegenheiten selbstverständlich kostenfrei, wie auch die Klassenreisen, wenngleich die Eltern sie nicht bezahlen konnten.

Im Übrigen hätte ich fast vergessen, was von Anfang an eine Selbstverständlichkeit darstellte, nämlich das PFLICHTJAHR nach dem Schulabgang, das hieß das Anpacken der Jugendlichen – ich sag mal – hauptsächlich in der Landwirtschaft zwar ohne Gehalt, jedoch mit entsprechender Verköstigung.

Als das Volk allmählich die kriegerischen Drohungen immer stärker kapierten, wurde unseren Eltern im westlichen Wohnbereich unseres Landes nahegelegt, die Kinder im Westen des Staates ein halbes Jahr in die„KINDERLANDVERSCHICKUNG“ zu schicken, da die östlichen Gaue und Protektorate nicht vom Feind erfasst werden konnten. (Mir wurde die Freude in den Osten nicht zu teil, meine Eltern wollten es nicht)

Aber vorläufig gab es nun erst mal überall in den Straßen und Häusern dieÖFFENTLICHEN LUFTSCHUTZRÄUME, die es in Wohnhäusern mit Keller als Öffentliche Schutzräume gab, mit denen wir Kinder keine Idee hatten, was das bedeuten sollte. Was wir überhaupt nicht bemerkten, das waren Mengen gewaltiger Gebäudeanlagen überall und ohne Fenster und überall in unserer Stadt. Es gab auch ähnliche Gewölbe unter Rasenflächen in offenen Straßen. Die rechtzeitigen VERDUNKELUNGEN jeglicher Fenster dienten der Angriffsirritation der Bomberverbände , denn „Feind hört mit“. Und für uns wurde es langsam Zeit, einen „VOLKSEMPFÄNGER“ anzuschaffen, der uns jetzt auch auf DRAHTFUNK die Richtungen der feindlichen Bomberverbände rechtzeitig erfassen ließ.

Was dann geschah, kann ich nicht in Worten darlegen. Nach Ende dieses Infernos kann ich lediglich brav berichten, dass nach neun Tagen der Bombardierung vierzigtausend Hamburger unserer Stadt ihre Ruhe im Massengrab des Ohlsdorfer Friedhofs fanden. Ich durfte noch leben –

Ich kann mich nicht dazu outen, das Inferno von Damals und die Situation von heute stecken mir unwiderruflich noch immer in den Kochen. Zudem war es auch das absolute Ende des Reiches, auf das wir – hauptsächlich wir Jugendlichen – so begeistert schwören wollten auf die Neue Zeit aller deutschen Menschen

-SOWEIT UND BREIT KEIN STREIT-

Kinder wachsen heran in aller Neugier wie es immer so ist, sie wollen erfahren in aller Fröhlichkeit, sie wollen wissen, wollen verstehen und staunen über alle Welten sofern sie neugierig sind. Der Eine glaubt was ihm geziemt, der Andere fragt, was ihm noch blüht und keiner kennt voraus, was es noch gibt.